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Erlebte Aggression in Kinderkrankenhäusern

Wissenschaftliche und operative Projektleitung

Dr. Antje Dresen (IMVR)
Dr. Susan Lee (IMVR)
Dr. Eckhard Korsch (Kinderkrankenhaus Holweide, Kliniken Köln)

Projektlaufzeit

09/2017 - 02/2019

Projektbeschreibung

In Nordrhein-Westfalen war bereits jeder achte Retter Opfer von Gewalt, mehr als jeder zweite berichtet von Beschimpfungen und Beleidigungen im Dienst. Insbesondere in den Abend- und Nachtstunden sowie unter Einfluss von Alkohol und Drogen steigt die Wahrscheinlichkeit für derartige Vorfälle, welche die Arbeit von Notärzten, Polizisten, Hilfskräften bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz und im Rettungsdienst erschweren (dpa/may/aertzeblatt.de). Die Bundesregierung hat so kürzlich härtere Strafen für Angriffe auf diesen Personenkreis beschlossen. Niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte sind in das Gesetz nicht mit eingeschlossen.

Dabei finden sich auch in dieser Berufsgruppe Hinweise auf erlebte Aggressionen und Gewalthandlungen. Zwar ist dieses Thema im öffentlichen Diskurs kaum präsent. Doch gerade die täglichen Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten in den Kliniken zeugen von Situationen hoch emotionaler, teils aggressiver Kommunikation. Im Besonderen in den Kinderkliniken wird von „schwierigen Interaktionen“ mit Eltern oder Angehörigen zu behandelnder Kindern berichtet. Erforscht ist dieses Themenfeld kaum. Lediglich zwei Studien von Mackin et al. (2001) und Korsch et al. (2003) haben sich mit aggressivem Verhalten von Eltern und Angehörigen gegenüber Krankenhausärzten in der Kinderheilkunde beschäftigt. Mehr als die Hälfte in der etwa von Korsch et al. (2003) durchgeführten Studie berichten über Situationen - im Median einmal pro Jahr - in der sich Ärztinnen und Ärzte als Ziel einer aggressiven Handlung von Eltern oder Angehörigen sahen. Vor diesem Hintergrund wurde nun erneut eine Befragung von Krankenhausärzten in der Kinderheilkunde durchgeführt, um die Facetten und Folgen von Aggression und Gewalt in diesem Setting, auch im zeitlichen Verlauf, offenzulegen.

Ob, wann und in welcher Form sind die angesprochenen Ärztinnen und Ärzte jemals Ziel einer aggressiven Handlung durch Eltern oder Angehörige geworden? Dazu ist erfragt worden, ob dies für die Ärzte eine persönliche Belastung oder eine Beeinflussung der kinderärztlichen Tätigkeit zur Folge hatte und wie sich die Betroffenen sich nach einem solchen Fall verhalten haben.

Ende 2017 wurden so Fragebögen an die Assistentensprecher aller pädiatrischen Abteilungen und Kinderkliniken in Deutschland versandt. Dabei sind die Formen der aggressiven Handlung wie Druckausübung, Beschimpfung, Androhung von körperlicher Gewalt, Versuch der Anwendung von Gewalt und ausgeübte Gewalt sowie die Erfahrungen mit diesen Situationen abgefragt worden. Zugleich konnten die Befragten etwa die Inhalte der Beschimpfung, Art der Bedrohung etc. über offene Fragen spezifizieren.

Ein erster Eindruck der Angaben zeugt davon, dass sich die Erfahrungen mit aggressiven Situationen im pädiatrischen Bereich im Vergleich zu den zitierten Studien aus den Vorjahren verstärkt haben. Im Rahmen dieser Studie werden nun abermals die Häufigkeiten und Inhalte der aggressiven Vorfälle veranschaulicht und das ärztliche Verhalten reflektiert. Dies reicht von beruhigendem bzw. deeskalierendem Einwirken auf die Situation bis zur inhaltlichen Klärung. Auch aggressive Gegenreaktionen, das Hinzuziehen der Kollegen oder der Polizei, das Ignorieren der Angehörigen und das Verlassen des Handlungsorts werden thematisiert. Zugleich wird herausgestellt, dass Aggression und Gewalt eine überaus relevante Problematik im Rahmen der kinderärztlichen Tätigkeit ist.