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Formen prekärer Beschäftigung und subjektive Gesundheit in Deutschland

Projektleitung:

Dr. Timo-Kolja Pförtner

Projektdurchführung:

Dr. Timo-Kolja Pförtner

Kooperationspartner:

Prof. Dr. Hans-Jürgen Andreß (Institut für Soziologie und Sozialpsychologie, Universität zu Köln)

Dr. Bart De Clercq (Department of Public Health, Ghent University)

Prof. Dr. Matthias Richter (Institut für Medizinische Soziologie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Prof. Dr. Alexander Schmidt-Catran (Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main)

Projektlaufzeit:

01/2018 - 12/2020

Projektförderung:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG); Projektnummer: 388147695

Kurzbeschreibung:

Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt mit zunehmender Erwerbs- und sinkender Arbeitslosenquote eine anhaltend positive Entwicklung. Dennoch verweisen Wissenschaft und Sozialverbände alarmierend auf wachsende Raten prekärer Beschäftigung seit den 1980er Jahren. Als prekär werden solche Beschäftigungsverhältnisse verstanden, die mit Unsicherheiten und Risiken verbunden sind. Hierzu zählen atypische Beschäftigungen (z.B. geringfügige Beschäftigung oder Zeitarbeitsverhältnisse) ebenso wie solche Erwerbstätigkeiten, die auf einem unzureichenden Erwerbseinkommen auf Haushalts- und Individualebene beruhen. Nationale und internationale Studien weisen darauf hin, dass prekäre Beschäftigungsformen ein höheres Gesundheitsrisiko besitzen. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Flexibilisierung am Arbeitsmarkt und einer Verstetigung prekärer Beschäftigungsverhältnisse ist eine vertiefte Diskussion und Analyse der gesundheitlichen Lage prekär Beschäftigter unabdingbar.

  • Wie stellt sich die Beziehung zwischen subjektiver Gesundheit und verschiedenen Formen prekärer Beschäftigung für Deutschland aktuell dar und wie hat sich diese zeitlich entwickelt?

  • Wie stellt sich die kausale Wechselwirkung zwischen subjektiver Gesundheit und verschiedenen Formen prekärer Beschäftigung im Längsschnitt dar?

  • Welche Relevanz besitzen berufsbezogene und außerberufliche Faktoren für die Erklärung der Beziehung zwischen subjektiver Gesundheit und verschiedenen Formen prekärer Beschäftigung?

  • Wie stellt sich die Beziehung zwischen Präsentismus und verschiedenen Formen prekärer Beschäftigung dar?

  • Wie hängen unterschiedliche Verläufe prekärer Beschäftigung in der Erwerbsbiographie mit der subjektiven Gesundheit zusammen?

Ausgangspunkt für die Untersuchung der Fragestellungen sind Daten des Sozioökonomischen Panel Deutschlands (SOEP) der Jahre 1984 bis 2014 sowie Daten der BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragung (2011/12). Basierend auf einem theoretischen Erklärungsmodell wird eine aktuelle Bestandsaufnahme sowie eine zeitliche Trendanalyse mittels deskriptiver und multivariater Sekundärdatenanalysen durchgeführt. Kausale Wechselwirkungen zwischen prekären Beschäftigungen und subjektiver Gesundheit werden auf Basis von mehrebenenanalytischen Strukturgleichungsmodellen im Cross-Lagged-Panel-Design untersucht. Die Erklärungsanteile berufsbezogener und außerberuflicher Faktoren zur Beziehung zwischen prekären Beschäftigungen und Gesundheit werden anhand einer Mediatoranalyse im Rahmen logistischer Regressionsmodelle ermittelt. Zudem wird der Zusammenhang zwischen prekären Beschäftigungen und Präsentismus theoretisch ausgearbeitet und empirisch untersucht. Auch werden erstmals Verläufe prekärer Beschäftigungen in der Erwerbsbiografie mittels einer Sequenzdatenanalyse identifiziert und auf gesundheitliche Ungleichheiten hin überprüft.

Prekäre Beschäftigung wird auf internationaler Ebene zunehmend als neue soziale Determinante von Gesundheit diskutiert. Vor diesem Hintergrund ist die Studienlage in Deutschland derzeit noch defizitär. Mit der Ausarbeitung eines umfassenden Modells und der Identifikation von Pfaden und Mechanismen zur Erklärung der Beziehung zwischen Gesundheit und prekärer Beschäftigung trägt das Projekt zu einer Erweiterung des Wissenstands bei. Die Klärung des kausalen Zusammenhangs ist insbesondere für mögliche Interventionen von Relevanz.

Literatur:

Pförtner T-K, Schmidt-Catran A (2017) In-work poverty and self-rated health in a cohort of working Germans: A hybrid approach for decomposing within-person and between-person estimates of in-work poverty status. Am J Epidemiol. doi: 10.1093/aje/kww218)